Ein Kongress der Hoffnung!
Geschrieben von Dr. Klaus Renoldner   
Wednesday, 20. September 2006

Ein Bericht vom IPPNW-Weltkongress in Helsinki im September 2006

Eben vom IPPNW-Weltkongress in Helsinki zurück möchte ich Ihnen meine Haupteindrücke vermitteln:
Was Hoffnung macht, ist die große Anzahl an Medizinstudenten (ca. 140) aus allen Kontinenten, die sich für ein Atomwaffenverbot interessieren und dafür einsetzen wollen. In vielen Staaten laufen Projekte, Ausbildungsprogramme und Gesundheitserziehungsprogramme auf verschiedenen Niveaus, die sich mit dem Problem der kleinen und leichten Waffen und ganz allgemein mit dem Thema „War and Health“ befassen. Besonders aktiv sind hier El Salvador, Indien und mehrere afrikanische Staaten, darunter auch Nigeria. Von dort stammt Dr. Ime John (siehe Foto), unser Kollege und neu gewählter Co-Präsident, der sein Ph.D. im Fachbereich „small arms prevention“ erworben hat. (Der zweite Co-Präsident ist weiter Gunnar Westberg aus Schweden, dessen Mandat um zwei Jahre verlängert wurde.)

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IPPNW Co-Präsident Dr. Ime John aus Nigeria (re) und Dr. Klaus Renoldner (IPPNW Österreich)
In den Universitäten Erlangen und Tromsö (N) wurden beispielhafte Vorlesungen zu den Themen „war and health“ eingerichtet und in die Medizincurricula integriert. Weitere Universitäten sollen folgen. Tromsö plant einen internationalen Kongress dazu für Juni 2007.

Die australische IPPNW koordiniert das Programm ICAN, eine neu angelaufene Kampagne mit dem Ziel, die "Nuclear Weapons Convention" (von IPPNW, IALANA und anderen NGOs erstellter Internationaler Vertragsentwurf für ein weltweites Nuklearwaffenverbot, 1979 der UNO vorgestellt) umzusetzen.

Neue IPPNW-Sektionen wurden in weiteren Staaten gegründet oder sind in Gründung begriffen. So zum Beispiel im Iran. Eine Kollegin und ein Kollege aus dem Iran kamen zum Kongress, im Oktober wird eine IPPNW – Delegation den Iran besuchen und auch mit politischen Vertretern Gespräche führen.

Der deutsche Bundestagsabgeordnete und Vizepräsident von Eurosolar Hans-Josef Fell schilderte in seinem Referat im Rahmen des Workshops über erneuerbare Energien in überzeugender Weise die Machbarkeit einer Energieversorgung der Welt ohne Nuklearenergie und ohne Erdöl und Erdgas. Fells Vorschlag an die westlichen Staaten, dem Iran in großem Stil Technologiehilfe für erneuerbare Energien anzubieten, erntete stürmischen Applaus. Die Tatsache, dass nachhaltige Energieformen jetzt schon billiger kommen und viel ungefährlicher und friedlicher sind als Erdöl und Nuklearenergie, ist noch viel zu wenig bekannt. Durch die hohen Summen öffentlicher Gelder, die in Euratom fließen, wird der Wettbewerb verzerrt.
Nachhaltige Energie schafft Frieden und Arbeitsplätze. Das kann durch viele Daten klar belegt werden. (Das soeben bei SOLARPRAXIS AG in Berlin erschienene Buch „Chance Energiekrise“ von Fell und C. Pfeiffer kann ich allen Energiepessimisten und Skeptikern nur wärmstens empfehlen.)

Maria Valenti von Central Office der IPPNW in Boston hat wieder einmal ihre großartige Leistung in der Koordination von small arms –Projekten bewiesen.

Die Schweizer IPPNW bleibt hart an ihrem Thema „nuklearwaffenfreie Zone Europa“ und wird dazu ein größeres internationales Symposium im März in Ascona abhalten.

Der Bürgermeister von Hiroshima, Tadatoshi AKIBA, Ph.D. schilderte seine Bemühungen um Nuklearwaffenabrüstung: Das berühmte Projekt der Mayors for Peace. Und - aus Zeiten der Verfassung der Nuclear Weapons Convention in guter Erinnerung – der nimmer müde Jurist Alyn Ware, wirbt für das Projekt Parlamentarians for Nuclear disarmament.

Der finnische Außenminister Erkki Tuomioja bot den IPPNW-Vertretern aus aller Welt nicht nur einen netten Empfang, sondern kam auch zum Kongress und hielt ein engagiertes Referat über die Notwendigkeit der Nuklearwaffenabrüstung, fortschritte und Probleme.
Mit dem schwedischen Diplomaten und Generalsekretär der Blix-Kommission Henrik Salander konnten wir in einem Workshop über den Bericht „Weapons of Terror“, der am 1. Juni UNO-Generalsekretär Kofi Annan überreicht wurde, diskutieren.

Den gastfreundlichen und humorvollen finnischen Kolleginnen und Kollegen herzlichen Dank für die Gestaltung des Kongresses.

Viele ausgezeichnete Referate wurden in Helsinki gehalten. Es ist schade, dass ich als einziger Österreicher am Kongress war. Ich werde mich bemühen, Ihnen die Inhalte in den nächsten Wochen über unsere Homepage www.ippnw.at zugängig zu machen.
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Auch mehrere neue Möglichkeiten für Sie, über unsere Aktion www.lebenmitderbombe.at aktiv zu werden, werden bald eingerichtet.

Und zum Abschluss eine Bitte:
Informieren Sie sich, werden Sie aktiv! Je mehr man die Zusammenhänge begriffen hat, desto mehr sieht man ein, wie dringend es ist.
Und merken Sie schon jetzt vor: März 2008 IPPNW-Kongress in New Delhi

aus OMEGA News 32